Möbel, Farben, Formen, Materialien…. Wenn man auf der Designmesse in Mailand an all den neuen Designs vorbeigeht, ist man total fokussiert. Ich bin immer auf der Suche nach neuen und aufkeimenden Farben, Produkten und Trends, aber in Mailand sind all meine Sinne aufs Höchste gespannt. Hier sieht man nämlich so manchen Trend zum ersten Mal. Wenn ich an zwei ganz unterschiedlichen Stellen ein Produkt mit dem „Glanz eines Ölflecks“ sehe, bin ich sofort alarmiert. Fotos machen und notieren.

„Natürliche Materialien sind immer noch dabei“.

So habe ich schon 2012 den Glasglocken-Trend entdeckt. In meiner Trendanalyse dieses Jahres habe ich einen Ordner angelegt „Labor um 1900“. Aufgespießte Insekten auf einem Schulposter und Glasglocken mit und ohne Kaktus, aber auch den Metall-Arbeitsschemel aus dem Labor – alles noch voll en vogue. Aber nicht mehr in Mailand: Dort war der nächste Trend schon wieder vorsortiert. Die sportliche Leistung liegt darin, ihn schnellstmöglich zu erkennen!

Dieses Jahr bin ich auch noch ein paar „alten Bekannten“ begegnet. Wir wissen, dass Marmor schon seit einigen Jahren im Trend liegt, vor allem der helle, weiße Marmor. Wir haben ihn in den Beistelltischen White Stone und der Uhr Marble Time verarbeitet. Jetzt fiel mir auf, dass auch viel grüner und brauner Marmor verwendet wird. Unsere Uhr Marble Time green ist also absolut zeitgemäß! Ich sah auch, wie das Gegenstück zur „Skandinavischen Stimmung“ aufkam. Statt des nordischen, hellen Holzes mit viel Weiß und hellen Pastellfarben, entdeckte ich in Mailand jetzt auch viel dunkles Nussholz bei Schränken, Tischplatten und Tischbeinen. Unser Beistelltisch Two Tone bekommt Konkurrenz, aber mit unserem dunklen Treetop dazu kombiniert man beide Trends einfach perfekt.

Helle Beistelltische aus Marmor – Zuiver’s Marble Time in Grün – Dieses Foto habe ich bei Vitra aufgenommen

„Farbe, aber anders“

Zum Farbgebrauch habe ich viel notieren können. So wurden viele (Erd-)Töne genutzt, die verkalkt wirken. Rosa, Leber, Grau… ergänzt um Farben, die etwas auffälliger sind, nicht, weil sie einen Akzent haben, sondern weil sie etwas schwerer sind als die schlammig matten Farben. Ockergelb, Moosgrün und Gold sind ein schönes Beispiel dafür. Es bleibt natürlich schon alles erdig und nah an der Natur. Bei Zuiver haben wir bereits etliche Produkte in Gold, wie den Beistelltisch Cupid Gold, die Hängelampe Plentywork und die Uhr Tiktak Time. Gold habe ich schließlich schon 2014 auf der Messe entdeckt. Höchste Zeit, dem Zuiver Designteam zu berichten, dass wir etwas mit diesen „Schlammfarben“ (wie ich sie jetzt mal nenne, damit Sie verstehen, was ich meine) machen müssen!

Leberfarben, Marmor – dieser rosafarbene Ton wurde in Mailand als die Trendfarbe eingeführt – wunderschöner Marmor von Tom Dixon

„Tune out: mal eben gar nichts“

Eine Strömung, die so ganz allmählich in Gang kommt, sozusagen als Gegenentwurf zum Trubel, ist der „Tune Out“-Trend. Mal eben gar nichts. Kein WiFi, kein Empfang, kein WhatsApp und schon gar kein Getöse um einen herum. Übertragen auf Möbel sieht man Sessel mit „Ohren“ (Seitenklappen), die vor unnötigen Reizen von außen abschirmen können. Dieser Trend findet sich auch in Schreibtischen mit Vor- und Seitenschotten, damit man glaubt, auch in einem großen Raum ganz allein zu sitzen. Ein junger Designer hat sogar eine Hülle entwickelt, die man dem Handy überstreifen kann, damit man für eine Weile nicht erreichbar ist und keine Strahlung frei wird.

Das Witzige ist, dass man nach einigen Tagen, in denen man sich visuell total fokussiert, in allem Schönes entdeckt. Ein besonderes Graffiti, ein eingemauerter Roboter, ein schön verwittertes Reklameschild auf einem Dach. Manchmal ist man sogar schon ein paar Mal daran vorbeigelaufen, ohne es wahrzunehmen, aber nach zwei, drei Tagen sieht man plötzlich alles! Das bringt mir jedes Jahr einen neuen „Eye Candy“-Ordner ein. Man hat eigentlich nichts davon, aber plötzlich muss man einfach fotografieren : )

Delen