Ich kann mich nicht erinnern, dass ich die Designwoche von Mailand jemals so schön gefunden habe wie dieses Mal. Keine Ahnung, ob die Hunderttausenden anderen Besucher das auch so empfunden haben, aber ich schon. Vielleicht habe ich besser aufgepasst, vielleicht war das Wetter schöner, vielleicht werden die Präsentationen immer schöner. Ich weiß nicht, woran es lag, aber Gänsehaut hatte ich bislang noch nie bei einer Installation. Nun ja – … dieses Mal schon! Ich ertappte mich dabei, dass ich manchmal wie alle Touristen mit offenem Mund herumschlenderte – die Kamera gerade noch nicht auf dem Bauch, aber immer im Anschlag!

Mailand ist im April wirklich das Designzentrum schlechthin, ein Walhalla für einrichtungsliebende Profis. Mein Designteam und ich fahren jedes Jahr für eine gute Woche in diese italienische Modestadt, um sowohl den Salone del Mobile als auch die Präsentationen von Marken und Kollektiven in der Stadt zu besuchen. Ein paar Tage verbringen wir im Messegebäude und den Rest der Woche in der Stadt. Um anschließend – mit gut 75 Kilometer in den Beinen – zu schlussfolgern, dass Mailand dieses Mal einfach großartig war. Vor allem die Events in der Stadt waren atemberaubend.

Links: wundervolle neue Cut Lampen von Tom Dixon – Mitte und rechts: Ikea-Ausstellung „Lets make room for design“ in einem leeren Supermarkt im Viertel Lambrate

Links: Lancierung des Maarten Baas 101 Stuhls in Zusammenarbeit mit Lensvelt – rechts: Louis Vuitton arbeitet mit verschiedenen Designern, unter anderen mit Marcel Wanders und Patricia Urquiola, an einer Kollektion für Reisemöbel

Wir haben auch das „Airbnb“ aus dem fünfzehnten Jahrhundert von Leonardo da Vinci besucht. Der Ort, an dem er wohnte, als er an seinem Meisterwerk „Das letzte Abendmahl“ arbeitete. Airbnb stellte an dieser atemberaubenden Location persönliche Kunstgegenstände verschiedener internationaler Designer aus. Diese Gegenstände standen einfach zwischen den vorhandenen Sachen. Wundervoll!

Jetzt ein Airbnb, damals der Ort, an dem Leonardo da Vinci übernachtete und an seinem Meisterwerk „Das letzte Abendmahl“ arbeitete

Den absoluten Gänsehautmoment hatte ich im fantastischen Palazzo Francesco Turati. Ein Palast aus dem siebzehnten Jahrhundert. Das Gebäude steht mitten im hektischen Mailänder Zentrums, aber sobald man den Innenhof betritt, herrscht Ruhe. Der Palast ist vollständig restauriert, einige Zimmer sogar ganz im Stil der Renaissance. Ein prachtvoller Holzboden mit dekorativen Einlegemustern, gewaltige, mit dunkelgrünem Samt bezogene Türen, Wandornamente mit Blattgold und Wände mit handgearbeiteten Vertäfelungen. In dieser Woche beherbergte der Palast die Dutch Design – was für eine fantastische Location!

Das Design ging sozusagen in der Kulisse auf, so schön war alles aufeinander abgestimmt. Sogar die Bühnen, auf denen Kunstwerke oder Präsentationen standen, waren mit einem Print bedruckt, der nicht vom wunderschönen Parkettboden zu unterscheiden war. Ich bin dann kurz rausgegangen, um den Raum erneut zu betreten – das machte mir Gänsehaut… Und wer mich kennt, weiß, dass ich ziemlich (typisch Zaans) nüchtern bin… aber das… Himmel, wie schön! Schauen Sie ruhig einmal auf der Website von Masterly, den Organisatioren dieses wunderbaren Events. Dann bekommen Sie einen guten Eindruck davon. Mein Favorit in diesem Prachtpalast war Melissa Peen mit ihren großartigen kaleidoskopischen Fotodrucken auf Tapete.

Wir hatten noch viel mehr Ausstellungen auf unserer Liste, aber dort waren die Warteschlangen so lang, dass die Warterei eigentlich nicht mehr in unseren Terminplan passte… Schade!

Links und Mitte: Palazzo Francesco Turati – Rechts: Tapete von Melissa Peen

Trends in drei Strömungen

Wenn ich dann wieder zu Hause bin, gehe ich alle Fotos noch einmal durch und teile die Trends in drei Strömungen ein. Ich gebe ihnen einen Namen und schaue mir an, was ich in unserer Kollektion verwenden will. Das sind die Strömungen für dieses Jahr:

Mondän: „Eine luxuriöse großstädtische Stimmung“
In diesem Trend sehen wir viele dunkle Farben wie Dunkelblau, Dunkelgrün und Dunkelgrau, Cognac, Orange, und – auch wieder da: Braun.Wir verwenden viel Marmor, Nussbaumholz und schwarze Gestelle. Wir lieben weiche, streichelzarte Stoffe wie Velours und Wolle und wir möchten gern goldene Füßchen an unseren Stuhlbeinen. Wenn ich diesen mondänen Schick unserem aktuellen Trend City Chic hinzufüge und wir ihn „Mondain City Chic“ nennen, bekommt Ihre Einrichtung einen vollere und luxuriösere Ausstrahlung mit mehr Tiefgang.

Klok Time Bandit Gold, Schrank Son und Luxussessel samt Hocker Lazy Sack sind eine hübsche Verkörperung des „Mondaine City Chic“

Fun: „Prätentiös künstlerisch“
Sehen wir hier vielleicht den Einfluss von Memphis? Dieser Strömung aus den Achtzigern mit übereinandergestapelten, knallfarbigen Produkten in seltsamen Formen? Auf jeden Fall weniger extrem als die Memphis Strömung, von der ich schon einmal berichtet habe. Der Trend „Prätentiös künstlerisch“ verwendet viel Rot, Gelb und Blau. Man sieht kaleidoskopische Abbildungen wie in den Teppichen von Moooi. Pixelartige Bildchen sind zu sehen, beispielsweise in der Tapetenkollektion von NLXL und bunter Kunststoff, wie die Lampen von Kartell, deren Beleuchtung sich je nach Stimmung ändert.

Ein fröhlicher Haufen, diese Strömung, ich habe den Begriff „kaleidoskopisch“ auf meiner Wunschliste notiert und bin gespannt, was ich damit mache…

Von links nach rechts: auf dem Boden ein Teppich von Moooi, NLXL Tapete und die neue Beleuchtung von Kartell

Fürstlich: „Auf links gedreht“
Die Möbel von drinnen gehen ins Freie. Aktuell sieht man Terrassen mit bequemen, gepolsterten Sofas mit dicken Kissen, Sessel mit Drahtseil oder Seil als Sitzfläche (statt Metall oder Holz), mit Teppichen, die Sitzecken begrenzen und mit hübschen kleinen Tischen, die man zum Sofa schieben kann. Und das alles für draußen, was für eine gute Idee! Da braucht man nicht mehr in den Baumarkt, auf der Suche nach diesen schrecklichen Gartenmöbeln… Nur noch auf schönes Wetter warten (und vielleicht einen Geldbaum) und Sie können Ihren Garten so einrichten wie Ihr Wohnzimmer! Unser cooler Be Cool kann auch einfach so ins Freie!

Ich sehe noch eine vierte Strömung und die ist hübsch! Dazu mehr in meinem nächsten Blog.

Delen