Es stimmt. Ich habe noch nichts davon erzählt, aber so allmählich kann ich diesen sprichwörtlichen Elefanten im Porzellanladen nicht mehr ignorieren. In Mailand war es jedenfalls schon nicht mehr zu übersehen: Memphis ist wieder auf dem Vormarsch! Irgendwie ist es nach Mailand immer wie auf einer After Party – ich bin noch ganz im Bann dessen, was da so alles über die Messe geschrieben und gesagt wird. Ich lese Blogs und Zeitungsbeilagen, checke Zusammenfassungen auf Websites und klappere Pinterest und Instagram ab. Alles, um mich zu vergewissern, dass wir auch wirklich genug gesehen, dasselbe entdeckt und nichts verpasst haben…

„Eins habe ich ganz sicher nicht verpasst… Memphis”

In Mailand habe ich ja noch versucht, es zu leugnen, aber jetzt muss ich zugeben, dass auch ich eines ganz sicher nicht verpasst habe: Memphis. Kennen Sie das? Memphis ist eine Kunst- und Designströmung aus den Achtzigern und in den letzten Jahren konnte man sehen, wie sie hier und da vorsichtig wieder ihren Kopf hob, aber in Mailand stand ich plötzlich Auge in Auge mit diesem pompösen Stil. Die schreienden Akzentfarben Rot, Blau und Gelb und die gestapelten Formen fliegen einem nur so um die Ohren. Oh je… Memphis ist zurück…!

Kurz zur Erinnerung. Memphis ist eine Designströmung aus den Achtzigerjahren. Aus Unzufriedenheit über serienmäßig und einfach produzierte Massenprodukte gründete der italienische Architekt Ettore Sottsass (1917) 1981 eine Gruppe unter dem Namen Memphis. Dieser Name stammt von der ägyptischen Stadt Memphis, der Stadt, in der sich der mächtige Schöpfergott Ptah, Schutzgott der Handwerker, in der Antike aufhielt. Hin und wieder hört man auch noch romantischere Geschichten über die Entstehung des Namens der Gruppe. Beispielsweise, dass sie in der Kneipe saß, als Elvis mit einem Song über Memphis durch die Lautsprecher schallte, während gerade heftig über Form diskutiert wurde.

Die Memphisgruppe wollte sich gegen die Einfachheit der damals modernen Möbel wehren. Keine schlichten Tischplatten mit Tischbeinen, sondern Produkte mit so richtig viel Farbe, extremen Formen, Emotionen und Atmosphäre. Bequem sitzen war kein Muss mehr, ein Bücherregal durfte ruhig schief sein und ein Tisch brauchte nicht unbedingt vier Beine zu haben: Hauptsache, der Kunde konnte eine gefühlsmäßige Bindung zum Möbelstück aufbauen. Darum ging es.

Memphis wollte nicht nur zeitgenössische Gegenstände schaffen, sondern auch eine Erinnerung an vergangene Strömungen aufrufen. So suchten sie überall nach Inspirationen: Pop Art und Totempfähle aus Amerika, bunte Textilmuster aus Afrika, Jugendstilelemente aus Frankreich, Biedemeierschnörkel aus Österreich und Einflüsse der niederländischen Strömung De Stijl (1917-1930). Entstanden eine bunte Einrichtungskollektion voller exzentrischer Formen und kräftiger Farben. 1987 löste sich die Gruppe wieder auf – wegen „zu großen Erfolgs“, wie sie es formulierte. Ein gutes Beispiel eines Einrichtungsstücks aus dieser Zeit ist der Schrank von Ettore Sottsass, siehe Foto.

Dieses Foto habe ich in Mailand geschossen – Ettore Sottsass – Dior Sandalen

„Ich weiß nicht so recht... ich hab's nicht so mit Memphis“

Na ja, und das alles ist also wieder auf dem Vormarsch. Aber ich weiß nicht so recht mit Memphis… Dieses Pompöse und die knalligen Farben. Damit habe ich es nicht so. Was mich jedoch maßlos fasziniert, ist die große Frage: Warum kommt Memphis wieder zurück? Vor allem, weil ich mich selbst nicht so sehr dafür begeistern kann, frage ich mich: Warum jetzt? Haben wir wieder ein Bedürfnis nach exzentrischen Anti-Massenprodukten? Oder brauchen wir Farbe, um zu zeigen, dass es uns gut geht? Ist es vielleicht einfach die ewige Wellenbewegung eines Trends – nach 30 Jahren kommt er wieder? Eine Ode an den 2007 verstorbenen Sottsass? Oder stammt es aus der Mode, die sich ihre Inspiration jetzt auch wieder aus den 80igern holt? Vielleicht schlicht und einfach nur die Folge der grafischen Muster und geometrischen Formen, die wir jetzt modern und hip finden? Wer kann das so genau sagen…

Sobald ich die Antwort gefunden habe, lasse ich es Sie wissen! Aber vorläufig werde ich mein Designteam nicht bitten, sich mit Memphis zu beschäftigen. Wir sind gerade mit den zarten schlammigen Tonfarben zugange und die sprechen mich viel mehr an. Grafische Muster und Buchstaben dazu sage ich auch sofort „Ja“. Aber Formen stapeln, schiefe Schränke und schreiende gelbe, blaue und rote Farbkombinationen in einem Regal? Nein…tut mir leid, jetzt noch nicht bei Zuiver.

Aber das ist natürlich eine ziemlich aufregende Entscheidung. Wer weiß, vielleicht liege ich ja total daneben und verpasse komplett den Anschluss? Ich bin gespannt. Mein Gefühl sagt mir, ich soll es nicht machen. Und das sagt mir oft schon genug! Was halten Sie davon? Lassen Sie es mich wissen!

„Damit sind wir gerade zugange“

P.S. Haben Sie die Werbung gesehen von Artis, dem Amsterdamer Zoo? Plötzlich sehe ich überall Memphis – meine Kollegen erklären mich mittlerweile für verrückt. Zeit aufzuhören, denn durchdrehen hilft niemandem! Damit sind wir zugange:

Zuiver – Artis Werbung – Zuiver

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